In der Mode heißt es, Stil hat man oder nicht, im Laufsport hingegen ist der Laufstil eine Frage der richtigen Lauftechnik und Schrittfrequenz. Läuft man an einem Sonntag Nachmittag entlang der Isar in der bayerischen Weltstadt mit Herz, so begegnet und überholt man so manchen individuellen Laufstil. Während die einen trippeln als tanzten sie Schwanensee oder müssten auf die nächste Toilette, machen andere derart große Schritte, als wollten sie einen neuen Weltrekord im Dreisprung aufstellen.

Zwischen diesen extremen Ausprägungen liegen zahlreiche Variationen, Frequenzen, Höhen und Längen. Es wird gesprungen oder gefedert, nicht gesprungen oder geplatscht wie mit flossen, und so weiter, und so fort. Es gibt in sich einsackende oder sitzende Läufer, nach vorne oder nach hinten fallende oder solche, die stocksteif durch die Gegend rennen als hätten sie einen Besenstil im A… Manch einer wiederum pendelt mit dem Oberkörper hin und her, dass er beinahe sämtliche Bäume links und rechts in der Allee streift …

LAUFSTIL ODER BESENSTIL

Interessante Laufstile entdeckt man allerorts und prominente gibt es da ebenso einige. 5000m Olympiasieger Dieter Baumann hat eine solch raumgreifende Schrittlänge, dass er schon unabsichtlich so manchem Konkurrenten auf die Fersen getreten ist. Langstreckenläuferin Sabrina Mockenhaupt, kurz „Mocki“ hat sich bei ihrem 6. Platz über 10000 Meter während der Europameisterschaft in Zürich blutenden Wunden am Knie und Schienbein während des Laufs zugezogen: „Es ging auf der Bahn sehr eng zu, da habe ich die Spikes der vor mir laufenden Gegnerinnen abbekommen.“ Haile Gebrselassie hingegen hält einen Arm etwas mehr nach aussen angewinkelt, als ob er ein Päckchen darunter zu tragen hätte. Er hatte sich das als Kind angewöhnt als er noch den weiten Weg mit Schulranzen zur Schule laufen musste. So aufrecht und stocksteif wie Michael Johnson, der ehemalige Weltrekordler über 200 und 400 mMeter(22x unter 44 Sekunden) lief bislang kaum jemand. Er dürfte tatsächlich so etwas wie einen Besenstil verschluckt haben. Die Schrittlänge von Usain Bolt beträgt satte 2,95 Meter womit er grade einmal 41 Schritte für die aktuell schnellsten 100 Meter benötigt.

Das beschreibt doch ziemlich deutlich, dass der Laufstil und damit verbundene Schrittlänge und Schrittfrequenzen eine sehr individuelle Sache sind. In der Weltspitze des Ausdauersports werden durchschnittlich 180-190 Schritte/Minute gelaufen. Freizeitläufer kommen hingegen auf lediglich 150-160 Schritte/Minute. Wenn man diese Schrittfrequenzen nun noch mit den kürzeren Schrittlängen kombiniert, dann ergeben sich im Marathon Zeitdifferenzen von bis zu vier Stunden. Manch einer wird sich nun denken, dass man jetzt einfach nur die Schrittlänge verkürzen müsste, um somit die Schrittfrequenz zu steigern und dadurch gleich schneller zu laufen. Man bräuchte also nur die aktuelle Anzahl der Schritte zu zählen und diese nach und nach auf 180-190 Schritte/Minute erhöhen. So werden potentielle Sieger.

Über die Schrittfrequenz zur Laufgeschwindigkeit

Denkste! Denn ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht! Um das zu trainieren gehören erstens eine hohe Ausdauerleistungsfähigkeit und eine großes Talent. Zweitens erfordert es verdammt viel Training. Und drittens braucht man sehr viel Motivation, um intensiv und langfristig die Schrittfrequenz bei einer stabilen Schrittlänge zu trainieren. Das erfordert einer regelmäßigen bis sehr häufigen Laufschule mit Lauf-ABC-Übungen, Stretching, Rumpfstabilisationsübungen und Fußgymnastik. Nur so kann man effektiv seinen individuellen Laufstil verbessern, der nie durch eine Lauftechnik von der Stange trainiert werden kann. Zusätzlich erfordert es das Glück und eine hohe körperliche Belastbarkeit um einen langjährigen und verletzungsfreien Aufbau zu ermöglichen. Denn ausschlaggebend für höhere Geschwindigkeiten ist eine höhere Bewegungsfrequenz, im Laufen eine hohe Schrittfrequenz. Nur durch eine Steigerung der Schrittfrequenz kann man langfristig auch seine Laufgeschwindigkeit effektiv steigern. Vor allem im Laufsport ist nicht nur Ausdauer sondern auch Geduld gefragt. Und übrigens: Sehr lange Schritte sehen nicht nur komisch aus, sie kosten auch verdammt viel Energie und somit Zeit!

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